Geschichte der FDP nach dem 2. Weltkrieg. Beitrag fŸr das Buch 50 Jahre Betzdorf

 

Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg im Jahre 1949 stellten sich die ersten Vorreiter der FDP

unter dem Banner des Liberalismus fŸr die kommunalpolitische Arbeit im Raum Betzdorf

zur VerfŸgung. Es waren der Kaufmann Kurt Ebert, der spŠter der 1. Kreisvorsitzende der

FDP wurde, der BuchhŠndler Friedrich Wolfensteller, der Architekt Heinrich Bergerhoff

und der damalige GeschŠftsfŸhrer der IHK-Bezirksstelle Betzdorf, Jakob Laux.

 

WŠhrend der mŸhsamen Zeit des Wiederaufbaus und der Beseitigung der extremen Kriegs-

schŠden in Betzdorf, Anfang der 50-iger Jahre kam eine Persšnlichkeit in die Reihen der

Betzdorfer FDP, die Ÿber 25 Jahre lang die Liberalen in Betzdorf im Kreis Altenkirchen,

im Land Rheinland-Pfalz und teilweise auch in Deutschland prŠgte, Kurt Nickel.

 

Vor dem 2. Weltkrieg Ÿbernahm er mit 19 Jahren die Firma seines Vaters und fŸhrte die

Firma Nickel Klima- und Lufttechnik in den 60-iger und 70-iger Jahren zu Weltruhm.

Leider verstarb Kurt Nickel bereits 1976 mit nur 59 Jahren, viel zu jung.

 

Die politischen Themen der 60-iger Jahre, wurden noch eindeutig geprŠgt durch den Wie-

deraufbau, die Herstellung und Weiterentwicklung der Infrastruktur sowie den Ausbau und

die Verbesserung der Bildungseinrichtungen.

 

In der Zeit von 1964 - 1969 wurde die FDP der Stadt Betzdorf neben Kurt Nickel durch

Dr. Arndt Adorf, einem anerkannten Internisten und GrŸnder des berŸhmten Adorfschen

Musikkonservatoriums und dem Malermeister Karl Volz vertreten. 1968 gab Kurt Nickel

 den Vorsitz im Ortsverband an Walter Kolb ab, der bis 1980 und spŠter nochmals von

1982 - 1984   Betzdorfer FDP vorstand. Walter Kolb, ein erfolgreicher Entwicklungsingenieur

bei der Fa. Wolf-Garten, war auch lange Jahre 1. Vorsitzender des Betzdorfer Turnvereins.

 

In den Jahren 1969 – 1974 zogen erstmals 4 FDP-Vertreter in den Betzdorfer Stadtrat ein.

Neben Kurt Nickel und Walter Kolb der Apotheker Dietrich Alberts und der Versicherungs-

kaufmann Heinz Ginsberg. In der Verbandsgemeinde vertraten die FDP Gerhard Lochner,

der Vermessungsingenieur Paul Volk und der Kaufmann Wilderich Heising.

 

Diese vierer Erfolgsgespanne im Stadtrat wurde1974 fŸr weitere 5 Jahre wiedergewŠhlt.

Durch den frŸhen Tod von Heinz Ginsberg 1976, rŸckte sein Vertreter und Nachfolger

Horst Fischbach, ein Unternehmer, der von Betzdorf aus weltweit Regalsysteme und

Hochregallager vertrieb, nach. Ab 1974 war Walter Kolb gleichzeitig in der Verbands-

gemeinde, zusammen mit Paul Pršbstle und Paul Langenbach.

 

In der Zeit der 70-iger Jahre traten die Liberalen in Betzdorf und Kirchen vehement

fŸr einen Zusammenschluss der beiden Kommunen ein. Ideen, wie eine gemeinsame

Stadthalle auf dem Struthof, oder die so genannte ãImlau-StudieÒ, eine stŠdtebauliche

Entwicklung auf dem Molzberg, die Betzdorf und Kirchen an dieser Stelle natŸrlich

zusammenfŸhren sollte, beherrschten die Themen dieser Zeit.

 

1974 gelang es mit UnterstŸtzung der FDP-Landtagsfraktion in Betzdorf einen Modellfall,

den so genannten fahrbaren Mittagstisch einzurichten. Diese soziale Einrichtung,

 insbesondere fŸr Senioren, etablierte sich sehr schnell. Aus dieser Anfangsidee entwickelte

sich schon recht bald eine konkrete Planung fŸr das Altenzentrum.

 

Neben dem politisch, sozialen Engagement fŸr die Betzdorfer Senioren, beherrschte

in der Zeit von 1974 das Thema Berufsausbildungszentrum auf dem Molzberg die

politische Diskussion. Die Forderungen von vielen politischen Kreisen, die berufliche

Bildung in Betzdorf/Kirchen zu verbessern wurde von der FDP und deren Vertretern

im Stadtrat massiv unterstŸtzt.

 

Politisch forderten die Liberalen bereits in den 70-iger Jahren immer die Urwahl  der

BŸrgermeister und LandrŠte, nach dem Motto steter Tropfen hšhlt den Stein, gelang es

den Liberalen auf Landesebene in der Koalition mit den Sozialdemokraten Mitte der

90-iger Jahre ihre Forderungen durchzusetzen.

 

1975 GrŸndung der Jungdemokraten, die politische Jugendorganisation der FDP, durch

Hans JŸrgen Volk.

 

Von 1979 - 1984 wurde die FDP im Stadtrat von Betzdorf durch den Apotheker Dietrich

Alberts und den Versicherungskaufmann und Ortsvorsitzender der FDP von 1980 – 1982,

Dieter Drahten vertreten, Paul Langenbach und Walter Kolb fŸr die Verbandsgemeinde.

 

Ein beherrschendes Thema in dieser Zeit war die Forderung aus den 70-iger Jahren der

Liberalen in Betzdorf und Kirchen, den Weiterbau der so genannten K7 zu verhindern. Der

Widerstand gegen den Weiterbau K7 und fŸr den Bau der Struthof -Spange fŸhrte 1984

zur GrŸndung einer BŸrgerinitiative SchŸtzenstra§e, deren Vorsitzender Udo Piske war.

Ebenfalls 1984 trennte sich der bis dahin gemeinsame Ortsverband Betzdorf/Kirchen.

 

Der neue, eigenstŠndige Ortsverband Betzdorf wird seit dem von dem 1. Vorsitzenden

Udo Piske gefŸhrt. Der damals 29-jŠhrige, selbstŠndige Architekt Udo Piske wurde

1984 zusammen mit Dr. Arndt Adorf in den Stadtrat und in die Verbandsgemeinde gewŠhlt.

Erstmalig konnten die WŠhlerinnen und WŠhler das auf FDP-Initiative eingesetzte neue

Wahlrecht des Kumulierens ausnutzen. Dr. Arndt Adorf trat wŠhrend der Legislaturperiode

zurŸck, sein Nachfolger wurde Walter Kolb.

 

Schwerpunktthema seit Mitte der 80-iger Jahre bis heute sind die Verkehrsproblemen in

und um Betzdorf. Die Liberalen vor Ort bekamen eindeutige UnterstŸtzungen nachdem

1987 der heimliche Landtagsabgeordnete Hans-Artur Bauckhage in den rheinland-pfŠl-

zischen Landtag einzog. Durch die †bernahme des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums

durch die FDP kam Bewegung in das so genannte Verkehrspuzzles in und um Betzdorf.


 

ãWesterwald-AutobahnÒ, ãBrŸderle - TrasseÒ, ãSiegkreiselÒ, ãStruthof - SpangeÒ

all diese Themen sind eindeutig von liberaler Handschrift geprŠgt. So gelang es der FDP

 fŸr einige dieser Bauvorhaben, gegen den anfŠnglichen Widerstand anderer politischer Parteien,

durch BebauungsplŠne Planungsrecht zu erreichen. 2006 wurde der Siegkreisel

mit dem NamenãSankt-Barbara-TunnelÒ, als ein wichtiges TeilstŸck des Betzdorfer

Verkehrspuzzles, Ÿbergeben.

 

In den verschiedenen WahlkŠmpfen im Land und im Bundestag wurde in Betzdorf  1987

der Liberale Freundeskreis der FDP gegrŸndet.

 

Betzdorf wurde von FDP-Persšnlichkeiten wie Hans-Dietrich Genscher, Walter Scheel,

Gerhard Baum, Martin Bangemann, Dr. Otto Graf Lambsdorff, GŸnter Rexrodt,

Brigitte Adam-SchwŠtzer oder die rheinland-pfŠlzischen Gršssen wie Rainer BrŸderle,

Peter Caesar oder in jŸngster Zeit Herbert Mertin und

natŸrlich von Hans-Artur Bauckhage besucht.

 

In der Wahlperiode 1989 - 1994 vertrat wiederum Udo Piske zusammen mit dem Rechtsan-

walt  Wilfried Schneider die Liberalen im Betzdorfer Stadtrat, Walter Kolb in der

Verbandsgemeinde.

 

Ab 1994 war der Ortsvorsitzende Udo Piske EinzelkŠmpfer fŸr die liberale Sache in der

Stadt Betzdorf und Walter Kolb nach wie vor in der Verbandsgemeinde.

 

Neben der Verkehrsproblematik, die sicherlich noch einige Jahre Betzdorf beschŠftigen wird,

war die Zeit Ende der 80-iger bis Anfang der 90-iger Jahre geprŠgt von wesentlichen stŠdte-

baulichen Entwicklungsma§nahmen in Betzdorf, die allesamt von den Liberalen mitge-

tragen wurden. Die Stadtsanierung und Neubau Parkdeck sind hier einige Schwerpunkte.

 

Im August 1993 beschŠftigte die Eisenbahnerstadt Betzdorf der Erhalt der Daadetalbahn.

Mit FDP-UnterstŸtzung aus dem Land, wurde dieses Vorhaben Wirklichkeit auch gegen

Widerstand der Mehrheit in Betzdorf.

 

Einen wesentlichen Anteil an der Einrichtung der Dualen Oberschule, im Jahre 1996,

hat die Landes -FDP unter der Beteiligung des damaligen StaatssekretŠrs Harald Glahn.

 

Sehr kontroverse Diskussionen im politischen - und SchultrŠgerbereich fŸhrten zu einer

Diskussionsveranstaltung auf Initiative der Betzdorfer FDP. In unglaublich kurzer Zeit

erarbeitete das Ministerium einen Vorschlag, der sowohl Kirchen als auch Betzdorf die

Umwandlung der Hauptschulen zu dualen Oberschulen ermšglichte. Die Erfolgsstory

dieser Bildungseinrichtung setzt sich fort.

 

Eine der letzten gro§en kommunalen Bauaufgaben in Betzdorf war 1997 der Bau der

Park and Ride Anlage am Bahnhof. Durch den Einsatz von Walter Kolb gelang es erheb-

liche Fšrdermittel von Land und Bund zu Gunsten der Stadt Betzdorf freizumachen.

 

 

Diese Parkanlage entlastet die vorhandenen ParkplŠtze und bietet Pendlern somit opti-

male Bedingungen an.

 

Nachdem sich die FDP jahrelang fŸr die Urwahl der BŸrgermeister und LandrŠte einge-

setzt hatte, war es eine klare Konsequenz, dass der Ortsvorsitzende der FDP in Betzdorf

Udo Piske sich im April 1998 zur Landratswahl stellte. Bei dieser Kandidatur ging es

in erster Linie darum, Flagge zu zeigen und die PrŠsenz der FDP darzustellen.

 

Das Ziel der Liberalen fŸr die Zukunft ist es, dass solche Kandidaturen fŸr die WŠhle-

rinnen und WŠhler zur NormalitŠt werden.

 

1999 schied Walter Kolb aus dem Verbandsgemeinderat aus. Sein Nachfolger wurde

der Rechtsanwalt Jšrg Federrath, der bis 2004 alleine und ab 2004 gemeinsam mit

dem Haustechniker Thomas Bauseler aus Scheuerfeld fŸr die liberale Sache in der

Verbandsgemeinde kŠmpft. Im Stadtrat bekam Udo Piske ebenfalls ab 2004 Ver-

stŠrkung durch den Zahnarzt Dr. Werner Dšring.

 

Das Ergebnis der Landtagswahl 2006 war fŸr die FDP trotz Stimmengewinne ent-

tŠuschend, nachdem klar war, dass die GrŸnen nicht die 5%-HŸrde schaffen.

 

Hans-Artur Bauckhage, als Superminister fŸr Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft

und Weinbau auch ãMister MittelstandÒ genannt, war Spitzenkandidat in Rheinland-

Pfalz.

 

In einem Ÿberaus offenen, positiven Wahlkampf spŸrte man Ÿberall gro§e Zustimmung

fŸr die liberale Politik. Auch in der Verbandsgemeinde Betzdorf gab es in einigen

Wahlbezirken zweistellige Ergebnisse, doch all das reichte nicht, die SPD bekam

trotz Verluste die absolute Mehrheit.

 

Durch die politische Arbeit der nŠchsten Jahre will die FDP die liberalen WŠhlerinnen

und WŠhler in der Stadt und Verbandsgemeinde Betzdorf erreichen und versuchen sie

nicht zu enttŠuschen.